Innentüren nachrüsten und abdichten: Mehr Ruhe, weniger Zugluft, bessere Optik ohne Türtausch
Warum Innentüren oft laut und zugig sind und was realistisch erreichbar ist
Viele Wohnungen in Deutschland haben leichte Röhrenspantüren oder ältere Türen mit ungleichmäßigen Spaltmaßen. Das Ergebnis: Geräusche wandern ungebremst durch Flur und Zimmer, Gerüche aus der Küche ziehen ins Schlafzimmer und im Winter fühlt sich der Flur „kalt“ an, obwohl die Heizung läuft. Häufig ist nicht die Tür an sich das Problem, sondern die Kombination aus zu großem Bodenspalt, fehlender oder harter Dichtung und einer schlecht eingestellten Falle im Schloss.
Realistisch erreichbar ohne Türtausch: deutlich weniger Klappern, spürbar weniger Zugluft, eine hörbare Reduktion von Alltagsgeräuschen (Stimmen, TV) und ein wertigeres Schließgefühl. Was Sie nicht erwarten sollten: echte Schallschutzwerte wie bei einer geprüften Schallschutztür. Aber: Mit 30 bis 120 Euro Material pro Tür (je nach Lösung) bekommen Sie im Alltag oft 60 bis 80 Prozent des Effekts.
Wichtig ist, zuerst zu messen und dann gezielt nachzurüsten. Wer „irgendeine“ Dichtung klebt, verschlimmert manchmal das Schließen oder produziert schiefe Spaltlinien.
| Maßnahme | Wirkung | Typischer Aufwand |
| Umlaufende Zargendichtung | Weniger Zugluft, weniger Klappern | 20-40 min |
| Bodendichtung (Absenkdichtung oder Bürste) | Deutlich weniger Schall und Gerüche | 30-90 min |
| Schlossfalle/Schließblech einstellen | Kein Rasseln, sauberer Anpressdruck | 10-25 min |

Bestandsaufnahme in 10 Minuten: Spaltmaße, Schließen, Boden
Bevor Sie einkaufen, prüfen Sie drei Punkte. Nehmen Sie ein Lineal oder eine Fühlerlehre (zur Not ein Set Papierstreifen) und einen Bleistift.
1) Seitliche Spalten und Kopfspalt messen
- Tür schließen, Licht im Raum dahinter aus, im Flur an: Sehen Sie Lichtlinien? Markieren.
- Spaltbreite links, rechts und oben messen: typisch 2-5 mm, problematisch ab 6-7 mm.
- Check: sind die Spalte gleichmäßig? Ungleichmäßig deutet auf verzogene Tür, abgesackte Bänder oder schiefes Schließblech hin.
2) Bodenspalt messen
- Mit Lineal am größten Punkt messen. In vielen Altbauten sind 10-20 mm keine Seltenheit.
- Wenn darunter ein Luftzug spürbar ist oder Gerüche durchziehen: Bodendichtung bringt am meisten.
- Wenn Teppich oder hoher Übergang vorhanden ist: Bürstenprofile können schleifen, dann eher Absenkdichtung.
3) Schließgefühl und Klappern testen
- Tür langsam ins Schloss fallen lassen: Klappert es kurz nach? Dann greift die Falle nicht stramm genug.
- Tür im geschlossenen Zustand am Griff leicht drücken: Spiel spürbar? Dann fehlt Anpressdruck oder die Dichtung ist zu dünn.
- Tür schleift am Boden oder klemmt oben? Erst einstellen, dann abdichten.
Umlaufende Dichtungen an der Zarge: schnellster Effekt für wenig Geld
Für die meisten Innentüren ist eine selbstklebende Zargendichtung (EPDM oder TPE) die beste erste Maßnahme. Sie reduziert Zugluft und vor allem das typische Klappern, wenn Türen in der Zarge „Spiel“ haben.
Welche Dichtung passt?
- Profil: P- oder D-Profil für größere Spalte (ca. 3-7 mm), E-Profil eher für kleinere Spalte (1-3 mm).
- Material: EPDM hält länger und bleibt elastisch, Schaumstoff ist billig, altert aber schneller.
- Farbe: Weiß passt zu den meisten Zargen, Anthrazit wirkt bei dunklen Türen sauberer.
Montage Schritt für Schritt (sauber und haltbar)
- Zarge im Falzbereich mit Isopropanol reinigen, trocknen lassen.
- Startpunkt an der Bandseite unten setzen, dann hoch, oben, runter zur Schlossseite.
- Dichtung ohne Zug kleben, in Radien nicht „stauchen“, lieber kleine Entlastungsschnitte.
- Stoßstellen oben ausführen (weniger Spritzwasser/Schmutz bei Bad/WC).
- Tür schließen, 10 Minuten warten, nochmal schließen: Wenn sie schwer geht, ist das Profil zu dick oder sitzt zu weit innen.
Praxis-Tipp: Wenn die Tür nach dem Kleben nur mit Druck ins Schloss geht, entfernen Sie die Dichtung nicht sofort. Oft reicht es, das Schließblech minimal nachzustellen (siehe unten). Bleibt es schwergängig, ist das Profil zu kräftig.
Der größte Hebel: Bodenspalt dicht bekommen (ohne Stolperkante)
Der Bodenspalt ist bei Innentüren oft die „offene Autobahn“ für Schall, Licht und Gerüche. Gerade zwischen Wohnzimmer und Flur oder zwischen Küche und Schlafbereich lohnt sich hier der Fokus.
Lösung A: Aufschraubbare Bürstendichtung (schnell, günstig)
Gut, wenn der Boden eben ist und keine hohen Schwellen existieren. Bürsten dichten besser als man denkt und sind unkritisch bei kleinen Unebenheiten.
- Tür öffnen, Bodenspalt messen, Profilhöhe wählen (Bürstenlänge so, dass sie leicht aufliegt).
- Profil an Türbreite anpassen (Metallsäge), Kanten entgraten.
- Von innen an die Tür schrauben (wohnraumseitig), damit es optisch ruhiger wirkt.
- Test: Tür schließen, Papierstreifen am Boden durchziehen. Leichter Widerstand ist ideal.
Typischer Fehler: Bürste zu lang wählen. Dann braucht die Tür mehr Kraft, und bei Laminat kann es auf Dauer Schleifspuren geben.
Lösung B: Absenkdichtung (beste Wirkung, sauberste Optik)
Eine Absenkdichtung senkt beim Schließen eine Gummilippe nach unten ab. Sie ist besonders gut bei unebenem Boden, Fliesenfugen oder wenn ein Teppich anliegt.
- Prüfen, ob die Tür unten genug Material hat (bei manchen Röhrenspantüren ist unten ein Stabilholz). Im Zweifel an verdeckter Stelle bohren und kontrollieren.
- Modell wählen: aufgeschraubt (einfach) oder eingelassen (optisch perfekt, mehr Aufwand).
- Montage nach Anleitung: Auslöseknopf auf der Bandseite muss sauber auf die Zarge treffen.
- Feineinstellung: Lippenhub so einstellen, dass sie dichtet, aber nicht auf Druck „staucht“.
Praxis-Tipp aus Mietwohnungen: Eine aufschraubbare Absenkdichtung ist oft die beste Balance aus Effekt und Rückbaubarkeit. Löcher unten an der Tür sind später leicht zu schließen.
Lösung C: Schwelle oder Übergangsprofil (nur in Spezialfällen)
Eine feste Schwelle dichtet gut, ist aber im Alltag oft störend und nicht barrierearm. Sinnvoll höchstens bei Werkraum, Hauswirtschaftsraum oder wenn Gerüche wirklich kritisch sind.
Schloss und Schließblech einstellen: Schluss mit Rasseln und „Tür springt wieder auf“
Wenn die Tür im Schloss Spiel hat, hilft die beste Dichtung nur begrenzt. Ziel ist: Die Falle zieht die Tür leicht gegen die Dichtung, ohne dass Sie drücken müssen.
So gehen Sie vor
- Tür schließen und am Griff rütteln: Wenn es klappert, muss das Schließblech Richtung Tür verschoben werden.
- Schließblech-Schrauben lösen, Blech minimal versetzen. Oft reichen 1-2 mm.
- Bei alten Zargen: Zunge am Schließblech vorsichtig nachbiegen (mit Zange), um den Anpressdruck zu erhöhen.
- Falle ölen? Nur sehr sparsam. Besser ist ein trockener PTFE-Spray, damit kein Staub klebt.
Wenn die Tür schwer schließt, nachdem Sie Dichtungen montiert haben, ist fast immer das Schließblech der Schlüssel zur Lösung. Erst einstellen, dann im Alltag testen.
Türblatt aufwerten: Dämmen, ohne es zu ruinieren
Bei sehr leichten Türblättern bringt Abdichtung viel, aber Stimmen bleiben hörbar. Dann kann eine Zusatzmasse helfen. Wichtig: nichts montieren, was die Tür verzieht oder Bänder überlastet.
Option 1: Schallschluckende Türvorhang-Lösung (flexibel, schnell)
- Schwerer Vorhang (z.B. Molton-ähnlich) auf der Raumseite, decken- oder wandmontiert.
- Unten 1-2 cm Abstand zum Boden lassen, damit er nicht schleift.
- Wirkt gut gegen Hall und etwas gegen Stimmen, besonders im Home Office.
Option 2: Aufgeklebte Zusatzplatte (nur wenn Bänder stabil sind)
- Dünne MDF oder Akustikplatte (ca. 6-10 mm) auf die Tür, vollflächig mit geeignetem Montagekleber.
- Kanten sauber fassen (Umleimer oder Lack), sonst wirkt es gebastelt.
- Gewicht prüfen: Wenn die Tür ohnehin schleift oder die Bänder weich sind, lassen.
In der Praxis ist für Mietwohnungen die Kombination aus Zargendichtung + Absenkdichtung meistens die sinnvollste. Türblatt-Aufdoppelungen lohnen eher in Eigentum oder wenn Sie Bänder und Zarge mit im Blick haben.

Typische Szenarien und passende Kombinationen
Altbau-Flur, große Bodenspalte, Holz-Dielen
- Umlaufende EPDM-Dichtung (P-Profil) an der Zarge
- Absenkdichtung aufgeschraubt (wegen unebenem Boden)
- Schließblech nachstellen, damit die Tür ohne Druck einrastet
Neubau, Tür klappert bei Zugluft (Fenster auf Kipp)
- Dünnere Zargendichtung (E-Profil)
- Schließblech minimal Richtung Tür setzen
- Optional: Filz-Pufferpunkte an der Bandseite, wenn es nur punktuell klappert
Küche zu Wohnraum: Gerüche sollen nicht durch
- Zargendichtung umlaufend
- Bodendichtung, möglichst Absenkdichtung
- Türspalt oben prüfen: dort entweichen Gerüche oft zuerst
Schlafzimmer zur Straße: mehr Ruhe ohne Umbau
- Tür abdichten wie oben (Zarge + Boden)
- Zusätzlich: Flur akustisch „weicher“ machen (Läufer, Textilien), damit Schall nicht so gut reflektiert
Material, Zeit, Kosten: Was Sie pro Tür einplanen sollten
- Zargendichtung: 8-20 EUR, 20-40 Minuten
- Bürstendichtung: 10-25 EUR, 30-45 Minuten
- Absenkdichtung: 25-80 EUR, 45-90 Minuten
- Kleinteile (Reiniger, Schrauben): 5-10 EUR
Wenn Sie nur ein Problem lösen wollen: Beginnen Sie mit dem Bodenspalt. Wenn es um Klappern und Zugluft geht: Zarge zuerst. Am besten wirkt die Kombination aus beidem plus Schloss-Feineinstellung.
Podsumowanie
- Spaltmaße messen: seitlich/oben und besonders unten.
- Umlaufende Zargendichtung passend zum Spaltprofil wählen (E, P oder D).
- Bodenspalt schließen: Bürste für ebenen Boden, Absenkdichtung für die beste Wirkung.
- Schließblech einstellen, damit die Tür sauber anzieht und nicht klappert.
- Türblatt nur dann „schweren“, wenn Bänder und Zarge das Gewicht vertragen.
FAQ
Welche Dichtung ist die richtige, wenn ich die Spaltbreite nicht genau treffe?
Nehmen Sie lieber ein Profil mit etwas Reserve (z.B. P/D statt E) und positionieren Sie es so, dass die Tür noch ohne Druck schließt. Feintuning machen Sie über das Schließblech.
Kann ich in einer Mietwohnung Absenkdichtungen montieren?
Meist ja, weil die Montage am Türblatt erfolgt. Klären Sie es im Zweifel, und wählen Sie eine aufschraubbare Lösung, die sich rückstandsfrei zurückbauen lässt.
Warum wird die Tür nach der Dichtung schwer zu schließen?
Typisch sind zu dicke Dichtprofile oder ein Schließblech, das nicht nachgestellt wurde. Erst Schließblech 1-2 mm Richtung Tür setzen, dann prüfen. Wenn es bleibt: dünneres Profil.
Bringt eine Bürstendichtung wirklich etwas gegen Geräusche?
Ja, vor allem gegen die „Leckage“ am Bodenspalt. Sie ersetzt keine Schallschutztür, reduziert aber Sprachverständlichkeit und Luftzug deutlich, wenn vorher 10-15 mm offen waren.
